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Diese Seite erklärt Schritt für Schritt, wie Polygon One eine Parzelle prüft. Sie richtet sich an Compliance-Verantwortliche. Sie brauchen kein Fachwissen über Satellitendaten. Die Übersicht über alle Datenquellen und Risikokennzeichen finden Sie unter Risikoanalyse.

Was die Analyse beantwortet

Die Analyse beantwortet eine Frage: Wurde auf dieser Fläche nach dem 31. Dezember 2020 Wald entfernt oder geschädigt? Das ist der Stichtag der EUDR (Art. 2 Nr. 13). Die Verordnung unterscheidet zwei Fälle:
  • Entwaldung (Art. 2 Nr. 3): Wald wird in landwirtschaftliche Nutzung umgewandelt, etwa in Acker, Weide oder eine Ölpalmenplantage.
  • Waldschädigung (Art. 2 Nr. 7): Primärwald oder natürlich regenerierender Wald wird in Plantagenwald oder sonstige bewaldete Flächen umgewandelt. Diese Frage prüft die Analyse nur für Holz.
Was vor dem Stichtag geschah, spielt für die EUDR keine Rolle. Eine Fläche, die schon 2020 kein Wald war, kann nach der Verordnung nicht entwaldet werden.
Die Analyse liefert eine Risikostufe, keine rechtliche Bewertung. Sie zeigt, wo Sie genauer hinsehen müssen. Die Entscheidung, ob ein Risiko ausgeräumt ist, treffen Sie anhand von Nachweisen.

Die Prüfschritte in ihrer Reihenfolge

Die Prüfung läuft immer in derselben Reihenfolge. Sobald ein Schritt ein Ergebnis festlegt, endet sie.

1. Ist die Geometrie plausibel?

Zuerst prüft das System, ob die Fläche überhaupt eine Anbaufläche sein kann. Grundlage ist die Landbedeckungskarte ESA WorldCover. Die Parzelle fällt durch, wenn:
  • mehr als 10 % der Fläche bebaut sind (Gebäude, Straßen, Siedlung),
  • mehr als 10 % der Fläche Wasser sind, oder
  • für die Geometrie keine Landbedeckungsdaten vorliegen, meist weil sie im Meer liegt.
Fällt die Parzelle durch, lautet das Ergebnis „Ungültig“. Details und Lösungen finden Sie unter Wenn die Geometrie nicht plausibel ist.

2. Stand am 31.12.2020 Wald auf der Fläche?

Dann prüft das System die Waldkarte JRC Global Forest Cover 2020 (in der Karte: „JRC-Waldausgangslage 2020“). Sie zeigt, wo zum Stichtag Wald stand.
  • Ist höchstens 1 % der Parzelle Wald, gilt: kein Wald zum Stichtag. Das Ergebnis ist „Niedriges Risiko“.
  • Ausnahme: Zeigen andere Datensätze trotzdem einen deutlichen Baumverlust nach 2020 (Hansen: mehr als 1 % der Parzelle) oder eine Störungswarnung mit hoher Konfidenz nach 2020 (GFW), widersprechen sich die Daten. Dann lautet das Ergebnis „Mittleres Risiko“ mit dem Kennzeichen „Datensätze widersprechen sich zur Waldpräsenz am EUDR-Stichtag“. Hohes Risiko entsteht daraus nie.

3. Welcher Waldtyp stand dort? (nur Holz)

Bei Holz liest das System zusätzlich die Karte JRC Global Forest Types 2020 (GFT). Sie teilt den Wald von 2020 in Primärwald, Naturwald und Plantagenwald ein. Davon hängt ab, ob eine spätere Ernte als Schädigung zählt. Die Waldtypen sind weiter unten erklärt. Bei anderen Rohstoffen (zum Beispiel Kakao, Kaffee, Soja) spielt der Waldtyp keine Rolle. Dort zählt nur, ob Wald in Landwirtschaft umgewandelt wurde.

4. Hat sich nach 2020 etwas verändert?

Jetzt sucht das System nach Veränderungen nach dem Stichtag. Es nutzt mehrere unabhängige Datensätze:
  • Hansen Global Forest Change: jährlich gemessener Baumverlust.
  • JRC TMF (Tropical Moist Forest): Entwaldung und Schädigung in tropischen Feuchtwäldern, mit Zeitreihe.
  • GFW-Störungswarnungen (GFW/DIST): zeitnahe Warnungen zu Vegetationsstörungen.
  • PALSAR-Radar: bestätigt Wald unabhängig von Wolken und erkennt Schattenanbau unter Baumkronen.
  • ESA WorldCover: Landbedeckung, zum Beispiel Acker, Wald oder Agroforstwirtschaft.

5. Wie die Signale zur Risikostufe werden

Kein Datensatz entscheidet allein. Es gelten diese Regeln: Gemessener Baumverlust (Hansen)
  • „Hohes Risiko“ entsteht, wenn nach 2020 mehr als 5 % der Waldfläche von 2020 verloren gingen. Zusätzlich muss die Waldfläche von 2020 mindestens 0,5 ha groß sein und die verlorene Fläche mindestens 0,18 ha (zwei Satellitenpixel).
  • Kleinerer, aber erkennbarer Verlust führt zu „Mittleres Risiko“ mit dem Hinweis „Geringfügige Veränderung der Baumbedeckung nach 2020 festgestellt“. Bei Holz gilt ein Verlust bis 1 % der Waldfläche als zu gering; dann entscheiden die übrigen Datensätze.
  • Verlust unter einem Pixel (0,09 ha) wird nicht als Entwaldung gewertet. So kleine Signale lassen sich nicht von Randeffekten an der Parzellengrenze unterscheiden.
Störungswarnungen (GFW)
  • Warnungen allein führen höchstens zu „Mittleres Risiko“.
  • „Hohes Risiko“ entsteht erst, wenn ein zweiter Datensatz den Verlust bestätigt (Hansen oder TMF), oder wenn Warnungen mit hoher Konfidenz in mindestens zwei verschiedenen Jahren nach 2020 auftreten. Im zweiten Fall muss die Waldfläche von 2020 mindestens 0,5 ha und die Warnfläche mindestens 0,18 ha groß sein.
  • Nur Warnungen mit niedriger Konfidenz führen zu „Mittleres Risiko“.
Tropischer Feuchtwald (TMF)
  • Zeigt TMF Entwaldung, die per Zeitreihe vor 2020 liegt, zählt sie als historisch und erhöht das Risiko nicht.
  • Ein TMF-Signal nach 2020 allein führt höchstens zu „Mittleres Risiko“. Für „Hohes Risiko“ muss ein zweiter Datensatz die Veränderung bestätigen. Ausnahme: Bei Holz auf Primär- oder Naturwald zählt eine TMF-Entwaldung nach 2020 als Beleg für die Schädigung (siehe nächster Absatz).
Waldschädigung bei Holz (GFT)
  • Stand 2020 Primärwald (mehr als 1 % der Parzelle) oder Naturwald (mehr als 5 % der Parzelle) auf der Fläche, prüft das System auf Schädigung.
  • „Hohes Risiko“ entsteht nur, wenn eine Veränderung nach 2020 belegt ist: durch Hansen oder TMF, bei Primärwald auch durch Warnungen in mindestens zwei Jahren. Bei reinem Naturwald reichen Warnungen allein nie.
  • Bei Primärwald gilt zusätzlich: Liegt die gemessene Veränderung nachweislich nur auf dem Plantagenanteil, bleibt es bei „Mittleres Risiko“.
  • Ohne belegte Veränderung bleibt es bei „Mittleres Risiko“ („Primär- oder natürlich regenerierender Wald zum Stichtag 2020, aber kein Nachweis einer Umwandlung nach 2020. Überprüfung empfohlen.“).
Niedriges Risiko
  • „Niedriges Risiko“ entsteht zum Beispiel, wenn Hansen keinen Verlust zeigt und GFW die Fläche abdeckt und keine Warnungen meldet.
  • Oder bei Holz, wenn die Fläche eine bestätigte Plantage ist (siehe Waldtypen).
Fehlende Daten senken das Risiko nie
  • Fehlt ein Datensatz, wertet das System die Fläche nicht als unauffällig. Typische Ergebnisse sind dann „Mittleres Risiko“, etwa wenn GFW-Daten fehlen, wenn kein Veränderungsdatensatz die Fläche nach 2020 erfasst hat, oder wenn bei Holz die GFT-Daten fehlen („Wald erkannt, aber GFT-Degradierungsdaten nicht verfügbar“).
  • Auch reine Waldpräsenz ist kein Entwaldungsbeleg. Steht Wald auf einer Agrarfläche und zeigt kein Datensatz eine Veränderung, bleibt es bei „Mittleres Risiko“ zur Überprüfung.

Waldtypen

Die Waldtypen stammen aus der Karte JRC Global Forest Types 2020. Sie beschreiben den Zustand am Stichtag. In der Karte heißen die Ebenen „GFT-Natur- oder Primärwald“ und „GFT-Plantagenwald“.

Was das für die EUDR bedeutet

  • Ernte in einer Plantage ist keine Entwaldung und keine Schädigung. Wird eine Plantage geerntet und wieder aufgeforstet, bleibt sie Wald desselben Typs.
  • Schädigung liegt vor, wenn Primärwald oder Naturwald zu Plantagenwald oder sonstiger bewaldeter Fläche wird (Art. 2 Nr. 7). Deshalb zählt bei Holz, welcher Waldtyp 2020 dort stand.
  • Entwaldung liegt vor, wenn Wald jeglichen Typs zu Landwirtschaft wird (Art. 2 Nr. 3).

Wann eine Fläche als bestätigte Plantage gilt

Das System behandelt eine Holzfläche als bestätigte Plantage, wenn alle drei Bedingungen gelten:
  1. Primärwald macht höchstens 1 % der Parzelle aus,
  2. Naturwald macht höchstens 5 % der Parzelle aus, und
  3. mehr als die Hälfte des Waldes von 2020 ist Plantagenwald.
Auf einer bestätigten Plantage gelten Baumverlust und Störungswarnungen nach 2020 als Ernte. Das Ergebnis ist dann „Niedriges Risiko“. Die Signale bleiben sichtbar, und die Fläche wird weiter auf eine Umwandlung der Landnutzung beobachtet. Die Einordnung als Ernte entfällt, wenn:
  • TMF eine Entwaldung nach 2020 misst, die Fläche also nicht wieder Wald wird, oder
  • die Störungen auf dem Natur- oder Primärwaldanteil der Fläche liegen und dort mindestens 5 ha und mindestens 10 % dieses Anteils betreffen.

Datensätze und ihre Grenzen

Risikostufen

Hohes Risiko ist ein Befund der Analyse, kein abschließendes Urteil. Ein passender Nachweis kann das Risiko mindern. Welche Nachweise ein Geo-Risiko schließen, steht unter Nachweis-Akzeptanz.

Wenn die Geometrie nicht plausibel ist

Lautet das Ergebnis „Ungültig“, hat die Parzelle die Plausibilitätsprüfung nicht bestanden. In den Parzellendetails steht dann „Plausibilitätsprüfung fehlgeschlagen“ und der Grund. Es gibt drei Gründe: Der Artikel zeigt dann den Status „Ungültig“. Er blockiert, bis die Parzelle geklärt ist. Wie sich das auf den Artikelstatus auswirkt, steht im Befund-Katalog.
Eine erneute Analyse ändert das Ergebnis nicht. Die Prüfung liest dieselbe Geometrie und kommt zum selben Ergebnis. Ändern Sie zuerst die Geometrie.

Typische Ursachen

  • Firmen- oder Lageradresse statt Anbaufläche. Die Koordinaten zeigen auf ein Büro, ein Sägewerk oder ein Lager. Das liegt in einer Siedlung, daher die Überlappung mit Stadtgebiet.
  • Breiten- und Längengrad vertauscht. Der Punkt landet an einem ganz anderen Ort, oft im Meer. Dann fehlen die Landbedeckungsdaten.
  • Punkt statt Polygon. Ein Punkt wird für die Analyse zu einem Kreis in der Größe der angegebenen Fläche erweitert. Liegt der Punkt am Hof oder im Dorf, fällt der Kreis auf Gebäude und Straßen.
  • Grenze in einen See oder Fluss gezeichnet. Das Polygon reicht über das Ufer hinaus ins Wasser.

Was Sie tun

Die Geometrie ist falsch: Korrigieren Sie sie oder bitten Sie den Lieferanten um Korrektur. Sie als Kunde können jede ungültige Parzelle korrigieren oder löschen. Ein Lieferant kann nur die Parzellen ändern, die er selbst angelegt hat. Nach der Korrektur wird die Parzelle neu analysiert. Die Geometrie stimmt: Manchmal ist die Fläche richtig erfasst und überlappt trotzdem, etwa eine Plantage direkt am Seeufer. Wenden Sie sich in diesem Fall an den Support.
Hat die Analyse trotz „Ungültig“ eine deutliche Waldveränderung nach 2020 gefunden, steht das ausdrücklich im Ergebnis: „Auf dieser Parzelle wurde zudem eine wesentliche Waldänderung nach 2020 festgestellt … — das Geometrieproblem entkräftet sie nicht.“ Nehmen Sie diesen Hinweis ernst, auch bevor die Geometrie geklärt ist.

Was Sie bei mittlerem oder hohem Risiko tun

  1. Öffnen Sie die Parzelle und lesen Sie die Risikokennzeichen. Sie nennen den Datensatz und den Grund.
  2. Prüfen Sie in der Karte unter „Ebenen“, wo die Veränderung liegt, zum Beispiel „Hansen-Verlust in Plantagenwald“ oder „GFW-Warnungen in Natur- oder Primärwald“.
  3. Fordern Sie beim Lieferanten passende Nachweise an, etwa einen Pflanznachweis oder einen Bewirtschaftungsplan. Das geht über die Compliance-Lücken-Ansicht.

Risikobehebung

Erkannte Risiken mit der Compliance-Lücken-Ansicht beheben.

Nachweis-Akzeptanz

Welcher Nachweis ein Geo-Risiko tatsächlich schließt.

Häufige Fragen

Meist aus einem dieser Gründe:
  • Die Karte sieht mehr Natur- oder Primärwald als erwartet. Liegt Primärwald über 1 % oder Naturwald über 5 % der Parzelle, gilt die Fläche nicht als bestätigte Plantage. Dann prüft das System auf Schädigung.
  • Die GFT-Daten fehlen. Ohne Waldtyp kann das System eine Ernte nicht von einer Umwandlung unterscheiden. Ergebnis: „Mittleres Risiko“.
  • TMF misst eine Entwaldung nach 2020. Die Fläche ist nach der Ernte nicht wieder Wald geworden. Das spricht gegen eine normale Umtriebsernte.
  • Die Störungen liegen auf dem Naturwaldanteil. Betreffen sie dort mindestens 5 ha und 10 % des Anteils, gilt die Ernte-Einordnung nicht mehr.
Ein Pflanznachweis, ein Plantagenregister-Eintrag oder ein Bewirtschaftungsplan für den Bestand kann das klären.
Waldverlust ist nicht immer Entwaldung im Sinne der EUDR. Häufige Gründe:
  • Ernte auf einer bestätigten Plantage. Die Fläche bleibt Wald. Das Ergebnis nennt dann die Ernte und den Plantagenanteil.
  • Der Verlust ist kleiner als ein Satellitenpixel (0,09 ha). So kleine Signale entstehen oft an der Parzellengrenze.
  • Es stand 2020 kein Wald auf der Fläche und die Veränderung ist zu klein, um dem zu widersprechen.
  • Der Verlust liegt vor 2020. Er heißt dann „Historische Entwaldung (vor dem Stichtag)“ und zählt für die EUDR nicht.
Weil fehlende Daten das Risiko nie senken. Hat kein Veränderungsdatensatz die Fläche nach 2020 erfasst, oder fehlen die GFW-Warnungen, kann das System eine Umwandlung nicht ausschließen. Das Kennzeichen nennt dann den fehlenden Datensatz, zum Beispiel „Kein Veränderungsdatensatz für den Zeitraum nach 2020 verfügbar“.
Eine Warnung zeigt, dass sich die Vegetation verändert hat. Sie zeigt nicht, ob danach Landwirtschaft entsteht oder der Wald nachwächst. Deshalb braucht hohes Risiko eine Bestätigung durch einen zweiten Datensatz oder Warnungen über mindestens zwei Jahre.
Nein. Die Prüfung liest dieselbe Geometrie und kommt zum selben Ergebnis. Korrigieren Sie die Geometrie. Stimmt sie, wenden Sie sich an den Support.